Chipsy und Flipsy - Zwei Amselkücken

Das Amselnest in meinem Blauregenbaum

Nach einem furchtbaren Hagelgewitter kam die Amsel-"Mutti" nicht mehr zum Nest zurück; das Nest war klatsche-nass und die Jungen rührten sich nicht mehr. "Papa"-Amsel schaute zwar zu, ging aber nicht mehr zum Nest. Nach 2 Stunden holte ich das Nest vom Baum.

 

Es befanden sich 2 total unterkühlte, regungslose Kücken und 2 Eier im Nest.

 Das Nest wurde mit dem Fön getrocknet, kam anschließend in die Microwelle zum keimfrei machen. Zuvor hatte ich aus einer Baumwollsocke ein Nest gebastelt, die Jungen rein gelegt und hielt sie mit meinen Händen unter eine Rotlichtlampe.

  

Nach einer halben Stunde rührten sie sich und rissen die Schnäbel auf. Sie waren ins Leben zurückgekehrt und hatten Hunger.

Quark mit Eigelb in eine Spritze und die Fütterei begann. Alle halbe Stunde, ich dachte ich bekomme sie nie satt. Was anderes brauchte ich mir in den ersten Tagen nicht vornehmen, ich kam zu nichts anderem mehr. Das war ein Vollzeitjob.  Um 22.00 Uhr war dann endlich Ruhe, allerdings nur bis zum nächsten Morgen um ca 6.00 Uhr.

Wenn eines der beiden Kücken satt war, wurde es einfacher mit der Fütterung. Nur noch ein offender Schnabel wackelte über dem Nest.

 

Das Gitter auf der Schüssel brauchte ich um meine Hand bei der Fütterung aufzulegen.

Satt und zufrieden schliefen sie danach ein.

Anstrengend an der Fütterung war, dass ihre Köpfe immer hin und her wackelten. Musste immer den richtigen Moment abwarten um die Spritze in den Rachen zu führen. 

 

Mit jeder Fütterung wurde es besser, für mich und für die Jungen. Jeder hatte gelernt was er tun muss damit das füttern problemlos über die Runde geht.

Nach zwei Tagen hatte es sich eingespielt. Sie hatten gut zugelegt und waren putzmunter. Nun meldeten sie sich wenn sie Hunger hatten lautstark selbst.

 

Ich zermampft Quark mit Honig und Ei und ernährte damit am Wochenende die Kücken. Als die Geschäfte wieder geöffnet hatten gab es  Auszuchtfutter für Jungvögel (Eifutter) aus dem Zoogeschäft.

Die Kücken sind jetzt 3 Tage in meiner Obhut, sie dürften also 5 oder 6 Tage alt sein.

So langsam wurden die beiden lebendig. Sie hüpften auf den Nestrand und versuchten ihre Umgebung zu erkunden. Also besorgte ich einen Hamsterkäfig. Immerhin war  da ja noch Bobby, mein Hund, und ich denke sie hätten es nicht überlebt wenn er sie erwischt hätte. 

Das Kücken welches lautstark schimpft ist das Jüngere der beiden. Wie sich später rausstellte, der Hahn. Er war in der ganzen Entwicklung immer einen Tag später dran.

Hier ist es sauer weil Chipsy wieder mal rücksichtslos über ihn drübergestiegen ist.

Er lies sich ab diesem Tag nicht mehr alles gefallen.

Das ist Chipsy, sie kann noch nicht fliegen, hüpft jedoch schon auf den Finger.

Flipsy wird erst Morgen soweit sein. Alles einen Tag später. 

Die beiden sind jetzt 12 od. 14 Tage alt und können kleine Strecken fliegen.

Sie kommen selbständig aus dem Käfig und gehen auch wieder rein, wenn sie Hunger haben oder in Ruhe gelassen werden wollen.

 Jetzt machen die Beiden das Zimmer unsicher.

 Abflug von der Lampe!

Flipsy und Chipsy waren flügge. Sie konnten selbständig fressen und waren auch sonst recht kräftig.

Es wurde Zeit die beiden Auszuwildern. 

Zu diesem Zweck stellte ich den Käfig mit den Beiden in den Garten und machte die Türchen auf. Flipsy war sofort draußen, schaute sich um und flog auf Nachbars Kirschbaum.

Chipsy blieb noch eine Weile im Käfig, dann flog auch sie in Nachbars Garten. 

Flipsy auf Nachbars Kirschbaum, er genoss es sichtlich.

Chipsy´s auf Nachbars Zaun.

Eigentlich wäre die Geschichte hier zu Ende.

 

Jedoch nachmittags um 17.00 waren beide wieder in ihrem Käfig, welchen ich mit Futter auf der Wiese hatte stehen lassen.

Ich ging raus, machte den Käfig zu und trug ihn an seinen alten Platz.

Sie "hauten sich die Wampe voll" und dann war absolute Funkstille.

Sie steckten den Kopf in die Federn und schliefen.

 

Am nächsten Morgen gegen 9.00 Uhr stellte ich den Käfig wieder auf die Wiese und öffnete ihn. Beide flogen sofort weg und beide waren gegen 17.00 Uhr wieder im Käfig. Gleiches Spiel wie am Vortag.


Das Ganze wiederholte sich noch 4 Tage lang. Am 5. Tag war Flipsy im Käfig und Chipsy saß auf der Mauer und piepste dauernd. Ich ging hin und sah daß rechte Flügel runterhing.

Ich fuhr in die Tierklinik nach Oberschleißheim wo man feststellte dass ein Flügel gebrochen war.  Der Flügel wurde fest an den Körper, mit Binde und Klebeband  gebunden.

 

Chipsy konnte also nicht mehr ausgewildert werden, und da es schon September war, mußte sie also den Winter über bei uns bleiben.

Flipsy kam noch 2 Tage durchs offene Badfenster abends gegen 17.00 Uhr rein und blieb über Nacht. Am 3. Tag kam er abends  nicht mehr.

Mit Freifliegen war jetzt nichts mehr. Leider konnte ich Flipsy in der Wohnung nun auch nicht fliegen lassen. Aber er für ihn war es ja nur die Nacht.

 

Der Fügel war irgendwann geheilt und aus Chipsy war ein richtiges Familienmitglied geworden.

Sie tyrannisierte unseren Hund Bobby wann immer ihr langweilig war. Sie beanspruchte seinen Platz auf dem Kissen unter dem Schreibtisch indem sie sich vor ihn hinstellte und ihm lautstark zu verstehen gab, dass sie jetzt hier sitzen will.

Da Chipsy ja jetzt den Winter bei uns verbringen mußte, wurde ein schöner großer Käfig gebastelt, auf Rädern, damit man ihn tagsüber (bei schönem Wetter) auf den Balkon fahren konnte. Sie war ein wunderschöner Vogel geworden, wie man auf dem Bild sehen kann.

Bei dem Käfig konnte man den Deckel oben wegnehmen damit sie bei Bedarf - frei fliegen konnte.

Chipsy sonnt sich auf dem Balkon. Im ersten Moment als ich das sah, war ich der Meinung sie ist krank.

Der Schreibtischstuhl gehörte auch Chipsy wenn er frei war. Vertreiben lies sie sich nicht.

Und dann kam ein ganz besonderer Tag. Es war am 18.12.2005, Chipsy Käfig stand an der offenen Balkontür. Ich kam ins Wohnzimmer und traute meinen Augen nicht, auf dem Käfig saß Flipsy. Er flog nicht weg als ich reinkam, blieb weiter auf dem Käfig sitzen und schnäbelte durch das Gitter mit Chipsy. Er blieb eine Weile da und wärmte sich sozusagen auf.

Von da an kam er jeden Tag 2 - 3mal auf dem Balkon, setzte sich auf Chipsys Käfig, blieb eine Weile und unterhielt sich mit ihr und flog dann wieder weg. Vor mir hatte er keinerlei Angst. Allerdings probierte ich auch nicht ihn anzufassen. Wenn ich mit ihm redete, legte er den Kopf schief, schaute mich an und gab ein paar Pipstöne von sich. Ich konnte mich ihm nähern bis auf eine Abstand von ca 50 cm. Er blieb auf Chipsy´s Käfig sitzen und flog nicht weg.

 

Der Abschied.

 

Ich stellte den Käfig von Chipsy auf den Balkon und wartete bis Flipsy kam.

Als er am Futterkasten auf dem Balkon war, öffnete ich den Deckel des Käfigs und trat zurück.

Flipsy flog in den Käfig zu Chipsy und nach kurzer Zeit flogen beide zum Futterhäuschen. Danach flogen beide gemeinsam weg.

 

Ca. eine Woche lang kamen beide noch 3 bis 4mal am Tag zum Futterhäuschen auf den Balkon, gingen in den Käfig - den ich auf dem Balkon hatte stehen lassen - und flogen wieder davon.

 

Im Sommer hatte ich jedoch noch eine Begebenheit mit einem Amselhahn. Ich war dabei eine Buchenhecke einpflanzen. Wenn Erde umgegraben wird, sieht man bekanntlich Würmer. Ein Amselhahn kam,  setzte sich direkt neben meine Füße und nahm sich die Würmer, welche ich aufgebuddelt hatte. Es war Anfang April und die  Vögel hatten Junge. Ob es Flipsy war? Ich weiss es nicht, hoffe es aber.


Da in meinem Garten jedes Jahr mehrere Amselpärchen nisten, kann ich nicht sagen ob Flipsy und Chipsy noch da sind, ich hoffe es jedoch.

 

 

ENDE

der Geschichte der zwei Amselkücken